The Dude goes Eldorado

Moto Guzzi Eldorado

Mit der Moto Guzzi Eldorado durch das Eiserne Tor

Man weiß meist gar nicht, wer zuerst damit da war, Aristoteles, der Volksmund oder ein Werbetexter. Der Spruch „die besten Geschichten schreibt das Leben“ ist auch so ein Fall, klingt erst gut, ist dann aber doch unsinnig. (Also wahrscheinlich doch Werber!) Weil: das Leben schreibt gar nix, das machen Menschen wie Euripides, Jelinek oder die Coen Brüder, wenn von denen grad keiner Zeit hat zur Not auch jemand wie Ihre Amici von MiPiace. Was das sogenannte Leben aber ganz vorzüglich hinkriegt ist Geschöpfe in Situationen zu bringen, welche sich ganz vorzüglich eignen, daraus eine Geschichte zu machen oder wenigstens ein G´schichterl, was jetzt gar nicht abwertend gemeint sondern nur beschreiben soll was einem so grandiosen Film wie „The Big Lebowski“ eigentlich zu Grunde liegt.

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Oder wie aus einer geplanten Urlaubsreise mit der Moto Guzzi Eldorado unversehens ein interessanter Ritt durch die Schluchten des Balkan und eine überraschende Teilnahme an einer Hochzeit in einer tragenden Nebenrolle werden kann. Die Moto Guzzi Eldorado wartete schon lange genug auf einen Einsatz in Sachen „Flucht nach Süden“, entspannt entlang der Donau durch den Balkan tuckern war die Idee, ganz ohne Stress, dafür wäre die Eldorado das falsche Fahrzeug. Doch für die Erkundungsfahrt ins Eiserne Tor ist sie genau die Richtige, erst zügig durch die Puszta nach Belgrad, dort runter ans Ufer der bald ziemlich breiten, blauen Donau. Und dann läutete das Telephon.

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Liebe alte Freunde -na ja, eigentlich ziemlich junge, um ehrlich zu sein- relativ frisch verheiratet, standesamtlich, mit organisierter Religion haben sie´s nicht so. Kind auch schon da, kurz nach der Geburt haben sie mich nach einem ruhigen Ort am Meer gefragt, um mit dem Kleinen planschen zu können. Klar kann ich da helfen, Hellas ist schließlich meine andere Heimat, der Pilion schien mir geeignet. Haben sie nachher bestätigt, Damouchari, um genau zu sein, ich war dort vor etlichen Jahren, einfach weil der Name  so schräg klingt.

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Doch der Reihe nach. Wählt man nicht ausgerechnet ein Wochenende um sich in den Südosten aufzumachen ist die Fahrt, was den Verkehr anlangt, erst mal richtig easy. Die geräumige Filson Duffle Bag von Arnolds schluckt alles was nötig scheint, passt perfekt auf die Guzzi und ist rasch verzurrt, selbst die Matrica, jene Zahlungsbestätigung, die man für die Nutzung der ungarischen Autobahnen benötigt, ist am Grenzübergang rasch erstanden.

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Eigentlich wollte ich die schon übers Internet erstehen, was sich aber als Zeitverschwendung erwiesen hat. So also fünf Minuten Aufenthalt in Nickelsdorf, dann geht´s kommod weiter bis Budapest, wo die dortige Tangente gerade komplett saniert wird – zähe Sache! Endlose LKW Kolonnen rechts, Urlaubsreisende im Wachkoma auf der rechten Spur, ungeduldige Einheimische überall dazwischen, man kann´s ihnen nicht übel nehmen. Doch mit viel Licht und ein bisserl Hupe bahnt sich die Eldorado stur ihre Spur. Dem Ungarn gilt die generelle Geschwindigkeitsbeschränkung maximal als unverbindliche Empfehlung, während auf der rechten Spur die LKWs einen ungefähren Hunderter halten zischen die „ich-hab´s-geschafft-Limousinen“ rasant links vorbei.

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Man könnte sich´s natürlich auf der Eldorado im Windschatten der Sattelschlepper gemütlich machen doch das lässt die Fahrt auf der Autósztráda M1 allzu einschläfernd wirken. Nema Problema, das Kraftwerk in der Moto Guzzi Eldorado reißt einen mit dem seinem 1400 Kubik V2 Kraftwerk entsprechenden Drehmoment sicher auf die 130+ Geschwindigkeiten, welche erst die Daseinsberechtigung auf der Überholspur eröffnen. Hält man aber nicht lange, schließlich umarmt man dank des breiten Lenkers den Wind, bald cruist man wieder. Bis kurz vor Szeged schlagartig alle LKW auf die M43 abbiegen, und zwar tatsächlich ausnahmslos! Die führt nämlich nach Rumänien, das ist schon bei der EU dabei, kriegt deshalb auch was von unsrem Wohlstandstand ab, währen die armen Serben noch eine Zeit lang durch die Finger schau´n werden. Sorry.

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Einen kleinen Eindruck, warum dem so ist, bekommt man in Belgrad. Einerseits gibt es dort Bars, Cafés und andere Lokale und mit dem Square Nine auch Hotels, die selbst für Wien eine Bereicherung wären. Andrerseits ziert beinahe jeden Block die Erinnerung an den Jugoslawienkrieg, futuristische 70er-Jahre Hochhäuser mit kläffenden Bombentreffern über mehrere Stockwerke stehen dort so selbstverständlich herum wie die Bausünden der Raiffeisenritter am Donaukanal in Wien. Und so manches Gründerzeithaus in der Altstadt haben die, offensichtlich mehreren, Eigentümer wieder hergerichtet und renoviert, bis auf den einen, in dessen Wohnung man durch klaffende, rußige fensterlose Öffnungen starrt. Das Alles vergisst man aber umgehend beim serbischen Dinner im sogenannten „Bohemian Quarter„, dort reihen sich die, an Heurige erinnernde traditionellen Wirtshäuser aneinander. Dort gibt es reichlich günstigen Wein, noch zahlreichere „Zigeuner“-Musikensembles und definitiv keine veganen Speisen. Das nur als Warnung, wem der Sinn aber nach meisterhaft gegrillten Tierteilen steht, der darf sich schon mal freuen!

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Freunde beeindruckender Landschaften kommen auf der nächsten Etappe auf ihre Rechnung, wenngleich der erste Eyecatcher eine ziemlich arge Industrielandschaft ist. Finden tut man die, indem man dem Hinweisschild nach dem Archäologischen Park von Viminacium folgt, dem auch gerne als Pompeji Serbiens bezeichneten Municipium in der Provinz Obermoesien und Hauptquartier der 7. Legion. Die hatte die Aufgabe, anstürmende Awaren niederzumetzeln und hernach Pannonien ins Reich zu holen. Schon lange davor hatte Viminacium eine prominente Rolle im Römischen Reich inne, lag es doch in der Mitte zwischen Ost- und Westrom, dass die diversen Konstantins und Familien ganz aus der Nähe, konkret Naissus vulgo Niš, stammten, hat Viminacium sicher auch nicht geschadet. Dies, und die Tatsache, dass Legionslager und Opidum wie sonst nur noch in Carnuntum nicht unter einer modernen Stadt liegen macht die beiden Ausgrabungen zu zwei must-sees für historisch interessierte Reisende!

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Ach ja, das älteste Mamut Europas hat man auch hier gefunden, beim Braunkohleschürfen nämlich, der riesige Tagbau ist auch sehenswert, das braune Gold wird gleich vor Ort in elektrischen Strom verwandelt, immerhin 12 Prozent des serbischen Energiebedarf deckt das historische Erdloch, den Rest erledigt die Donau, mehr dazu später. Erst mal zielen wir auf Ram, die Festung an der ersten Engstelle der Donau nach der weiten Puszta war stets ein strategisch wichtiger Ort, von den Kelten über die Römer und Byzantiner haben sich alle wichtigen Europäer hier auf die Lauer gelegt, ab 1483 kontrollierten die Osmanen den Felsen, die heutige Burg hat da auch ihren Ursprung  als befestigte Karawanserei. Natürlich wollten die Habsburger das Ding zurück, hat allerdings bis zur Mitte des 18 Jahrhunderts gedauert, bis das erledigt war. Ram ist aber, auch weil die Yugos die Burg in ihrem Privatkrieg nachhaltig beschädigt haben, eigentlich nur ein Amuse-Gueule, wirklich beeindruckend wacht Golubac über den Durchbruch der Donau durch die Karpaten. Die Stadt selber liegt mittlerweile an einem weiten See, die Staumauer des Kraftwerks hundert Kilometer weiter Stromabwärts wirkt bis hier herauf. Und die Mauern der Burg reichen so bis in die Fluten, historisch zwar nicht ganz korrekt, optisch dafür umso eindrücklicher.

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Aber man muss halt Prioritäten setzen, in dem Fall geht´s -wo nicht?- um die Energie, die beiden Flusskraftwerke am Ende der Schluchten liefern immerhin fast zwei Drittel des Serbischen Bedarfs. Dass die Donau dadurch ein Bisschen weniger reißend durch die Schlucht rauscht, hat einen erfreulichen Nebeneffekt auf die Schiffahrt, allerdings musste man eine der ältesten Siedlungen Europas verlegen, hat aber bei Abu Simbel auch keinen gestört. Wobei der halt fast neu erscheint verglichen mit der Siedlung von Lepenski Vir , die schon etwa 6000 Jahre vorher existierte, muss so eine Art Raststätte der Völkerwanderung gewesen sein, als 7000 v.u.Z. Menschen aus dem Schwarzmeerraum gen Europa wanderten. Weil: auch wenn heutzutage die Donau am Balkan ziemlich abseits der Touristenströme liegt, war sie doch bis vor hundert Jahren über Jahrtausende eine der wichtigsten Routen der Menschheit.

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Wir wählen eine Raststätte ganz in der Nähe, die Guzzi findet Unterschlupf im Garten des Hostel Trajan in Donji Milanovac, ich ebenfalls aber in einem kommoden Einzelzimmerbungalow um wohlfeile 9 Euro. Momir, der Manager, kümmert sich ganz zuvorkommend um unser Wohl, zwecks Nahrungsaufnahme schlägt er die Lepenska Ribica vor, ein vlachisches Restaurant zwei mal ums Eck in der Kapetana Mise, der Hauptstraße der kleinen Stadt. „Nicht das billigste aber sicher das beste Wirtshaus hier“ präzisiert er seinen Tipp, „die Vlachen können nämlich kochen!“ Stimmt auffällig, zwei vorzüglich gebratene Donaufelchen und ein perfekter Kartoffelsalat begleitet von einem Liter feinen Weins und was „kleines“ Süßes als Desert schlagen mit 11 Euro zu Buche, die an griechische Tragoudi erinnernde Musik und das zuvorkommende Service machen den Stopp in Donji Milanovac zu einem durch und durch erfreulichen Erlebnis. Zum Gesamtpreis von 20 Euro!

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Doch das Beste kommt noch, früh am nächsten Morgen -na ja, so früh´s halt geht- machen wir, die Eldorado und ich uns wieder auf den Weg. Momir trifft gerade rechtzeitig ein um mir einen Kaffee zu offerieren, der beste wäre dieser spezielle lösliche, meint er. Und tatsächlich schmeckt der erstens überraschend und zweitens richtig gut, wie ein türkischer nämlich, habe leider verabsäumt, mich im nächsten Supermarkt damit einzudecken. Beim letzten Take-Off-Check sticht mir ein versäumter Anruf am Mobiltelephon ins Auge, Armin hat gestern spätabends noch angerufen, er ist mit Frau und Kind vor ein paar Tagen am Weg nach Griechenland hier durchgekommen, mittlerweile sollten er, seine „Verlobte“ und das Ergebnis ihrer Liebe schon am Pilion angekommen sein. Den Rückruf verschiebe ich im Bewusstsein der Zeitverschiebung und des Schlafbedürfnisses junger Eltern auf später, wer weiß, vielleicht weck´ ich den Kleinen auf und dann ist womöglich ihr ganzer Tag beim Teufel. Jetzt geht´s erst mal auf der Moto Guzzi Eldordoin die engsten Schluchten des Eisernen Tores, Details demnächst wieder hier auf mipiace.at !

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