Maserati Ghibli S Q4 Gran Lusso – Mit Alles!

Maserati Ghibli S Q4

Prolog

Mein Weg führt mich wieder einmal in den Westen, die Regionen Österreichs, die dem Wiener ein wenig fremd sind. Die Bewohner sprechen eigenartige Dialekte, alles mutet so sauber und geordnet an, man sieht schon fast den Bodensee und Zürich ist näher als Wien. Rund 600km Direttissima verlangen nach guter Planung und einem perfekten Fahrzeug, um entspannt in St.Anton oder Lech am Arlberg seinen Hobbies nachzugehen. Und nachdem ich das halbe Jahrhundert bereits durchschritten habe, fühle ich mich ausreichend charakterlich gefestigt, um vielleicht den perfekten Reisewagen überhaupt zu besteigen, dem Maserati Ghibli S Q4 Gran Lusso.

Maserati Ghibli

1966 kommt der erste klassische Maserati Ghibli GT auf den Markt, ein früher Entwurf des Großmeisters Giorgio Giugiaro, gezeichnet als Zweitürer mit mächtiger Haube, angetrieben von einem Achtzylinder mit bis zu 335PS Motorleistung. Der Ghibli, benannt nach einem Wüstenwind der Sahara, trägt schon in meinem Geburtsjahr das GT im Namen, GT wie Gran Turismo, also ein gut motorisierter Sportwagen, aber komfortabel genug, um auf große Fahrt zu gehen, weite Strecken schnell und bequem zu durchmessen, genau das, was ich für meine Expedition nach Westen suche. Die erste Serie des Maserati Ghibli wird bis 1973 gebaut und erst 1992 wieder aufgenommen.

Der 1992er Ghibli ist ein Derivat des klassischen Maserati Biturbos, ein Entwurf des Marcello Gandini, der sich schon mit dem Lamborghini Miura und Countach einen Namen gemacht hatte, ganz zu schweigen von einem meiner ganz großen Lieblinge, dem Lancia Stratos. Die zweite Generation des Ghibli war vielleicht nicht so futuristisch gezeichnet wie der legendäre Stratos, machte aber mit seinen Brüdern Shamal und Biturbo, nomen est omen, den doppelt aufgeladenen Turbomotor salonfähig. 1997 übernimmt Ferrari Maserti und beendet die Ära der Biturbo Familie.

Maserati Ghibli S Q4 Christoph Cecerle mipiace.at

 

Es folgt, ihr habt es sicher erraten, eine längere italienische Nachdenkpause, die 2013 in der Präsentation des M157 mündet, dem aktuellen Maserati Ghibli, der 2017 umfangreicher Modifikationen unterzogen wird.

Maserati Ghibli S Q4 Gran Lusso

Das Model 157 unterscheidet sich maßgeblich von seinen Vorgängern und erhält eine Karosserie von knapp unter 5m Länge, 4 Türen und Stufenheck, eigentlich eine Positionierung in der oberen Mittelklasse. Nur ist der Ghibli ein Fahrzeug der oberen oder gehoben Mittelklasse? Ich muss hier ganz klar widersprechen: Nein!

Der Maserati Ghibli S Q4 trägt für mich alle Gene seiner Vorgänger in sich und präsentiert sich mir als Gran Turismo klassischer Prägung, auch wenn die zwei hinteren Türen vielleicht nicht dem FIA Reglement entsprechen. Angetrieben wird der Maserati Ghibli S Q4 von einem 2979ccm Biturbo, einem Meisterwerk italienischen Motorenbaus, gefertigt bei der Schwester Ferrari, gesegnet mit 430 PS bei 5750U/min und sagenhaften 580Nm zwischen 2250-4000U/min. Gekoppelt ist dieses Powerpack an eine wirklich exzellente 8-Stufenautomatik, die auch manuell bedienbar ist.

Maserati Ghibli S Q4 Christoph Cecerle mipiace.at

Motorisch ist der Maserati Ghibli also ganz klar ein Sportwagen, der die 100km/h Marke in 4,7 Sekunden durchbricht und 286km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht. Wichtiger als Maximalwerte ist aber das Fahrgefühl, das den Fahrer in einem Gefühl des Überflusses und der Möglichkeiten baden lässt, ohne aber zu treiben oder zu fordern. Der Ghibli ist wie ein ausgewachsener Tiger, der genüsslich vor sich hin schnurrt, wenn es aber sein muss, blitzartig seine ganze Kraft und Geschmeidigkeit zum Einsatz bringt, ansatz- und humorlos, wenn es sein muss. Das Motor-Getriebe Package ist also von allerbester Güte, direkt und doch sanft, kraftvoll bis zur Brutalität, wenn sich das Gaspedal senkt und der Tiger erwacht.

Der Charakter des Ansprechverhaltens kann durch elektronische Modi verändert werden, von I.C.E., dem Efficiency Programm, über Normal bis Sport. Mir persönlich gefällt die Harmonie der Normalstellung am besten, den Sport-Schalter habe ich nur am Pass Thurn zum Einsatz gebracht, dort wo das Wild von Salzburg nach Tirol wechselt. Schon ein kurzes Eintauchen des Gaspedals lässt dich um deinen Führerschein bangen, kraftvoll und feinfühlig ist die Bedienbarkeit der Bremsen, in ihrer Wirksamkeit über jeden Zweifel erhaben.

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Ich genieße den Luxus der Ausstattung, das duftende Leder, die hervorragenden elektrisch verstellbaren Sitze, beheiz- oder belüftbar, wählbar je nach der Hitze des Gefechts. Was nicht vom Sattler bearbeitet wurde, ist feinste Seide aus dem Hause Ermenegildo Zegna, eine Mahnung, stets mit frisch gewaschenen Händen den Wagen zu besteigen und Ausschließungsgrund für Familien mit Kindern unter 10 Jahren, auch wenn reichlich Platz vorhanden wäre.

Autobahn

Das Inntal bietet mir ausgiebig Möglichkeit, mich den reichhaltigen Assistenzsystemen zu widmen, der Maserati auf der rechten Spur, der Tempomat auf 107 km/h, Lane Assistance on und der Wagen fährt teilautonom Richtung Innsbruck, mahnt aber schon nach wenigen Sekunden, die Hände nicht vom Lenkrad zu nehmen. Schade, denn die mächtige 900W Harman Kardon Premium Audioanlage spielt mein Lied, vorgetragen von den 15 Lautsprechern des Bowers & Wilkins Surround Systems und das 8,4 Zoll große Display des Maserati Touch Control Plus Screens lässt mich in den Tiefen der Einstellungsmöglichkeiten versinken. Luxus pur, der Tiger hält Mittagsschlaf.

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Kunst & Kulinarik

Entspannt federe ich in St.Anton aus dem Maserati, empfangen von Dr. Ansgar Sommer, der von Anfang August bis Anfang September das Kunst & Kulinarik Festival mit dem Patron des Tannenhofes, Axel Bach, organisiert. Diese Veranstaltung, die fast täglich Höhepunkte der Kulinarik zelebriert und die besten Köche an den Arlberg holt, vereint Highlights des Genusses mit hochklassigen künstlerischen Events, mobilisiert von Pappas Österreich, die eine Reihe von Maseratis nach St. Anton gebracht haben, die ich am nächsten Morgen genießen durfte. Denn neben der Kunst und der Kulinarik geht es am Arlberg immer noch um Sport, egal ob im Maserati oder zu Fuß.

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Die Veranstaltung heißt „FunkyKnödel“ mit Knedl und Kraut live auf der Darmstädter Hütte, 2.384m über dem Meer, zentral in der Verwall Gruppe. Zum Aufstieg bieten sich mehrere Möglichkeiten an, von einer längeren Wanderung über Mountainbikes bis hin zum Maserati Levante, der uns dann bis zum Kartell Speicher auf 2.020m Seehöhe bringt, die Variante, die ich selbstverständlich gewählt habe, um den Alpen-Maserati einmal in seinem Element zu erleben, dort, wo Allrad zur Notwendigkeit wird. Kraftvoll und geschmeidig geht es hinauf in die Berge, kein Knistern und kein Knastern ist zu hören, purer Luxus in Bergschuhen.

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Der knapp 2 stündige Aufstieg zur Darmstädter Hütte ist auch für Wiener machbar, wenngleich eine gewisse körperliche Herausforderung, die aber mit dem wirklich unvergleichlichen Panorama der Verwall-Gruppe belohnt wird. Getoppt wird die fantastische Aussicht dann noch von den herrlichen Knödelvariationen auf der Hütte und frisch gezapftem Augustinerbräu aus dem Holzfass. Das Wetter spielt noch mit und macht die „FunkyKnödel“ zu einem Traumtag in den Bergen, powered by Pappas Österreich und Maserati, sowie meinen Muskeln, die sich am nächsten Tag mit einem Kater bedanken.

Rote Wand

Mein Körper braucht Entspannung, der Maserati Ghibli Auslauf. Über Nacht hat sich ein mächtiges Genuatief über den Arlberg gelegt, manch einer redet schon von Schnee, gut dass der Maserati Ghibli S Q4 mit einem variablen Allradantrieb ausgestattet ist, der je nach Anforderung bis zu 50% der Kraft an die Vorderachse senden kann. Reicht der Grip, fleißen 100% der Kräfte an die Hinterachse, ganz wie es das Gran-Turismo-Gebot seit 1966 verlangt!

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Hinaus geht es aus St.Anton, über steile Rampen und Kehren nach St.Christoph, wo der Nebel den „Bianco Alpi“ weißen Maserati zu verschlucken droht. Erst am Flexenpass bessert sich die Sicht, verlassen ist Zürs im Sommer, die Berggipfel sind bereits angezuckert. Mein Ziel ist die Rote Wand in Zug, also Lech am Arlberg, dort wo Joschi Walch mit viel Fingerspitzengefühl eines der schönsten Hotels am Arlberg aufgebaut hat.

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Meine Reise steht aber vor allem im Zeichen der Küche und ich bin hungrig, nach dem Aufstieg auf die Darmstädter Hütte. So wende ich mich gleich zu Mittag den Schualhus zu, dem alten Schulhaus in Zug, in dem noch Joschis Vater zur Schule ging. Das Untergeschoß besteht aus einer kleinen gemütlichen Gaststube und einer Theke, man findet sich fast in den Anfangsjahren des Tourismus am Arlberg wieder, so origin wurde das Haus renoviert und wiederhergestellt, wenngleich in neuem Kontext. Mein Einstieg in diesen Tag des Genusses ist ein Backhenderl in der Jausenstation, wie Joschi die Stube nennt. Gebeizt in Buttermilch, goldbraun die Panier, saftig und von perfekter Qualität gibt es mir die Kraft wieder, die ich am Abend brauche, um meine Sinne zu schärfen für den Chef´s Table im ersten Stock.

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Chef´s Table

19 Uhr 15 ist es soweit. Ich treffe Joschi an der Bar der Roten Wand und wir gehen durch rote unterirdische Gänge hinüber zum Schualhus. Der Chef´s Table findet 5mal die Woche statt, im Sommer und Winter, oft sind die 18 Plätze voll besetzt, heute nicht ganz, so dass wir Platz haben uns auszubreiten und über das Erlebnis zu sprechen. Dreh und Angelpunkt ist der junge Max Natmessig, der im Schualhus nach der Matura und Wanderjahren als Koch im Steirereck und den Hotspots der Gourmetszene seinen ersten Posten als Küchenchef angetreten hat. Chef de Cabine ist die charmante Sophie Köchert, die gekonnt und konzentriert den Abend dirigiert.

Architektonisch erinnert mich der First Floor an eine Sushi-Bar. Die Gäste sitzen leicht erhaben an drei Seiten um die vollkommen offene Küche, sehen jedes Detail, jeden Handgriff der Crew (Daniel Reifecker, Julian Leinbacher und Jakob Schmid) am großen schwarzen Tisch, wo die Köstlichkeiten angerichtet werden. Trotz des alpinen Umfelds wähne ich mich in einer Bar der 80er Jahre, reduziert und klar, viel schwarz und aus den Boxen dringt leise das Herbert Pixner Projekt, ausschließlich, wie Joschi betont.

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Die Konzentration gilt den Gerichten, die in einer Abfolge von rund 20 Gängen serviert werden, jedes Gericht detailliert erklärt vom Chef, seiner Crew oder Sophie. Pilze und Buchweizen, Mairübe und Sauerklee, Erbsentartelette und Minze. Neue Geschmackserlebnisse für mich, neue Erfahrungen in Konsistenz und Textur. Der Chef´s Table ist ein Erlebnis, eine Erfahrung, die man sich gönnen sollte, ja gönnen muss, weil dieser Abend bildet und zu einem Maßstab der eigenen Sinne wird, an dem sich andere messen müssen.

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Ich kann nicht sagen, was mir am besten geschmeckt hat, weil jedes der Gerichte ein eigenes Erlebnis ist, die knusprige Hühnerhaut mit Leber und Ribisel, bekannt und doch so neu, wie die Reinanke mit Gurke und Buttermilch, klar und transparent wie ein Sushi.

Und dann erzählt mir Joschi, dass er mehrmals in der Woche auf ein Reisfleisch in der Jausenstation geht, weil es das beste Reisfleisch der Welt wäre. Das nenne ich dann Erdung, das ist Reflexion.

Epilog

Joschi hat recht. Man soll um vieles Wissen, aber die Erdung nicht verlieren. Man muss nicht jeden Tag „Mit Alles!“ haben, aber es ist ein Genuss, auch einmal in diese Welt zu schnuppern. Die Welt des Luxus und des Überflusses, die 430PS des fantastischen Biturbos, die Seide Ermenegildo Zegnas, der Chef´s Table in Joschis Roter Wand.

Ich gleite fast lautlos durch das Inntal gegen Osten, eine Kontrolle an der deutschen Grenze, Tempolimits und viel Verkehr, bei Bernau fällt das Tempolimit und ich gönne mir noch einmal kurz „Mit Alles!“, wecke den Tiger, bis mich der dichte Reiseverkehr wieder zurückholt und ich genussvoll nach Salzburg bummle.

 

Danke für die Kooperation mit Pappas Österreich.

 

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