Piaggio Beverly 300 S – Der goldene Schnitt

Piaggio Beverly 300

Alles neu macht der Mai, so auch die Piaggio Beverly 300 S. Schon in den letzten Jahren die eigentliche Königin im Reich der Roller, nur ein wenig im Schatten ihrer berühmten Konzernschwester Vespa, spendieren unsere italienischen Freunde der Beverly ein Update, welches diesen Großradroller ins Scheinwerferlicht der Begehrlichkeiten treten lässt.

Motor

Fangen wir einfach mit dem Herzstück an, dem neuen Euro-5 Motor, mit 278ccm und, festhalten, jetzt 25,8 PS bei 8.000 U/min. Trotz strengerer Limits bekommen wir also 23% mehr Leistung und 16% mehr Drehmoment als noch letztes Jahr. Euro-5 stranguliert also die Power nicht, sondern motiviert Techniker offensichtlich zu einer Extrastunde am Reißbrett. Geblieben ist aber der harmonische Charakter und der vibrationsarme Lauf, der die Beverly 300 zu einem kraftvollen Cruiser mit ordentlichem Durchzug macht, was Ihr auch deutlich an der Anti-Schlupfregelung spüren könnt, sollte es beim Ampelstart ein wenig rutschiger sein.

Gefühlt geht die Beverly zumindest so gut wie eine Vespa GTS, obwohl sie mit fahrbereiten 185kg ein wenig mehr Masse zu beschleunigen hat und die Vespa GTS 2021 ja bekanntermaßen hervorragend geht. Das Leistungskapitel können wir also zufrieden abhaken, zumindest so lange, bis die brandneue Piaggio Beverly 400 den Thron besteigt. Mehr dazu aber demnächst hier. Die Spitze der Piaggio Beverly 300 ist übrigens mit 127 km/h angegeben, also mehr also genug, um den Stau auf der Süd-Ost Tangente zu durchpflügen oder aus dem Speckgürtel der Metropolen ins Büro zu gleiten.

Design

Optisch hat sich bei der Piaggio Beverly 300 auch einiges getan. Der Großradroller steht satt und dynamisch auf seinen Alu-Doppelspeichen-Rädern, vorne in der Dimension 16″ 110/70, hinten mit einer Bereifung von 14″ 140/70. Man sieht die üppigeren Reifen-Dimensionen, man spürt eine gewisse Nähe zum Motorrad, festgemacht am futuristischen Heckabschluss mit neuer Kennzeichenhalterung. Die Beverly wird erwachsen und erinnert mehr an einen Crossover als Roller, obwohl, oder gerade weil sie vor allem im Heckbereich schlanker geworden ist. Ich persönlich empfinde die Beverly mit ihren dynamische Linien im Jahrgang 2021 jedenfalls als sportlicher, was aber auch der gestiegen Leistung gedankt sein könnte.

Fahrwerk

Noch so ein Filetstückerl der Beverly und das schlagende Argument für Großradroller generell. Wie auch das Design, nähert sich auch das Fahrverhalten einem Motorrad an. Größere Räder bieten mehr Stabilität und die Einbußen an Wendigkeit werden mehr als kompensiert. Man entwickelt mehr Vertrauen in das Fahrwerk und die Haftung, vor allem bei höheren Geschwindigkeiten und nicht idealen Bodenverhältnissen.

Hier hat die Piaggio Beverly 300 einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht, wohl bedingt durch die neue Showa Gabel mit 35mm und den neuen verstellbaren Showa Federbeinen hinten, sofort spürbar und signifikant. Unebenheiten und schlechter Straßenbelag werden zuverlässig weggebügelt, keine Unruhe, kein Aufschaukeln stört den harmonischen Fluss der Fortbewegung. In Kombination mit dem ruhig laufenden Motor stellt sich satte Zufriedenheit ein und das Wissen, am Schnittpunkt zwischen Sportlichkeit, Komfort und Sicherheit angelangt zu sein. Man sehnt sich nicht nach mehr, man weiß sich dem Ideal urbaner Mobilität nahe.

Ausstattung

Vorab, ich bin gleich die Piaggio Beverly 300 S gefahren, rot leuchtend in Arancio Sunset, wunderschön kontrastiert von graphitgrauen Oberflächen, dem schwarzen Doppelnahtsattel und dunkelgraue Felgen. Dafür strahlt die Lichtanlage gesamtheitlich in LED, egal ob Front, Heck oder Blinker. Ein Segen ist das schlüssellose Zugangssystem. Kein Suchen nach Schlüsseln mit Handschuhen in der Hosentasche, eine einfache Berührung des Startknopf genügt, um Deine Beverly zum Leben zu erwecken, ein Dreher und sie ist startbereit. Der Tankdeckel ist heuer sogar elektrisch zu entriegeln, ebenso natürlich die Sitzbank, die ein üppiges Staufach unter sich birgt. Noch so ein starkes Argument für die Praxistauglichkeit der Piaggio Beverly 300, denn das Staufach nimmt meinen Arai SZ-R VAS in XL auf, ein unbezahlbarer Vorteil, den Helm nicht dauernd mit sich schleppen zu müssen.

Das neue digitale Amaturenbrett mit 5,5″ LCD Display glimmt in Space-Blue, besonders adrett im Dunkel lauer Sommernächte, kinderleicht mit dem (optionalen) MIA System zu verbinden, welches Dein Smartphone zum integralen Bestandteil Deiner Mobilität macht. Anrufe oder Navigation werden zum Kinderspiel, vielleicht ein Gadget für die Generation Z, die nicht mehr mit Benzin gesäugt wurde.

Preis

Der Preis ist heiß. Nicht nur, dass die Piaggio Beverly 300 S technologisch und ausstattungsmäßig einen Quantensprung darstellt, verharrt der Preis auf 5.299 Euro, ob mit S oder ohne. Ein Kampfpreis, der so manchen ins Grübeln kommen lässt. Mehr Leistung, mehr Fahrwerk, mehr Ausstattung und mehr Design zu einem besseren Preis? Vielleicht muss die Beverly einfach die Last einer Ikone nicht mit sich tragen, obwohl sie mittlerweile selbst eine ist. Jedenfalls empfinde ich die Piaggio Beverly S als goldenen Schnitt zwischen Urban und GT, Leistung und Leichtigkeit, Vernunft und Leidenschaft.

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