Moto Guzzi V9 Roamer – Eine für alle!

Test Moto Guzzi V9 Roamer by Homolka for mipiace.at Italian Lifestyle Magazin

Bei allem Respekt für Moto Guzzis Zuneigung zur eigenen Tradition: wenn sie im Pressetext zur Vorstellung ihrer neuesten Maschine, der Moto Guzzi V9 Roamer, als quasi Wiederauferstehung der 750er Nevada bezeichnen, werden sie ihrem jüngsten Familienmitglied nicht wirklich gerecht.

„Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich“ pflegte mein Vater selig in so einem Fall anzumerken. Sicherlich, wie die Nevada zielt die V9 auf eine Klientel, die sich gerne Easy Rider Tagträumen ergibt, den Peter Fonda in sich am Leben und das Feuer flackern lassen möchte.

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Und da hören die Gemeinsamkeiten eigentlich schon auf, genau, wie kein Mensch mit einem Fünkchen Selbstachtung mehr Glockenhosen im Stil der Neunzehnhundertsiebziger Jahre mehr zur Schau stellen würde, sondern sich, den einschlägigen periodischen Druckwerken sei Dank, zeitlos modisch kleidet, haben auch die Couturiers in Mandello del Lario einen stilsicheren Entwurf geliefert.

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Und darüber hinaus, de gustibus est schließlich disputandum, in erster Linie eine ausgereifte, homogene Maschine auf die Strasse gestellt. Wir haben uns das erste in Österreich eingetroffene Exemplar gegriffen, und ihr, nach einer ersten schnellen Probefahrt, nun ein wenig gründlicher auf den Zahn gefühlt. Und dabei so etwas wie das Schweizermesser unter den Motorrädern kennengelernt, für jede Aufgabenstellung ist hier das richtige Werkzeug dabei.

War das Wetter bei der ersten Spritztour noch gnädig mit uns, hat der heurige Frühling mit seinem seltsamen Humor beim zweiten Anlauf die deutlich niedrigeren Temperaturen mit vermehrtem Niederschlag kompensiert. (Wir dürfen an dieser Stelle gleich mal um Ihr Verständnis für die nicht ganz blitzsaubere Maschine auf den Lichtbildern ersuchen)

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Was wenigstens das uns während der Einfahrzeit auferlegte Drehzahllimit weniger schmerzhaft erscheinen ließ, wir nehmen unsere Arbeit nämlich sehr ernst, „Ausdrehen“ gehört zu den Lieblingsaufgaben eines seriösen Testers.

Ist aber im gegenständliche Fall alles andere als notwendig, wie schon anhand der nüchternen Motordaten zu erwarten bringt der gewachsene Hubraum der V9 ein gegenüber der V7 deutlich wahrnehmbares Plus an Drehmoment mit sich. Was, wie schon bei der Ur-V7, die mich anlässlich ihrer Vorstellung am Comer See vollends überzeugt hatte, einen unglaublich entspannten Fahrstil ermöglicht.

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So lässt sich etwa die Höhenstrasse, abgesehen von den engen Kehren am Kahlenberg oder in Neustift, de facto im sechsten Gang bewältigen. Und wenn man im Stadtverkehr vorausschauend unterwegs ist, also unnötige Stopps an roten Ampeln vermeidet, kommt man mit der Fünften durch. Was aber nicht heisst, dass man sich deshalb gegebenenfalls der Option eines unbürokratisch eingeleiteten Zwischenspurts begibt, ein kurzer Zupfer am Gasgriff beschleunigt die Guzzi umgehend und vehement, ideal für innerstädtisches Kolonnenhüpfen.

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Das Drehmoment macht sich natürlich auch bei der Beschleunigung aus Kurven und Kehren nützlich, in den, oben erwähnten, katzenkopfgepflasterten der Höhenstrasse zum Beispiel, wo man sich einfach mittels Gasgriff auf die Geraden zoomt, ohne durch die Zugkraftunterbrechung eines Schaltvorgangs die runde Linie zu stören.

Das ist umso schöner, wenn, wie heute morgen, Restfeuchte den kalten Basalt rutschig werden lässt. Da schätzt man dann umso mehr die homogene Kraftentfaltung, dass nötigenfalls auch die serienmässige Schlupfregelung eingreift erkennt der verschlafene Tester nur am kurzfristigen aufflackern des roten Warnlämpchens.

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Das ASR gehört, in Komplizenschaft mit ABS, mittlerweile zur verpflichtenden Grundausstattung motorisierter Zweiräder, im Fall von Moto Guzzi konnte man da auf die lange Erfahrung der Mutter Piaggio zurückgreifen, welche diese Systeme seit Jahren hunderttausendfach in ihren Produkten von Vespa bis California verwendet. Dementsprechend zuverlässig funktionieren die Helferlein aus der Softwarestube dann auch, da sind keinerlei Überraschungen zu erwarten.

Schon etwas überraschend ist hingegen das Handling der Moto Guzzi V9 Roamer. Lässt ihre optische Erscheinung erst mal eher auf eine Auslegung schliessen, die dem gemütlichen Cruisen mit Schwerpunkt auf Geradeauslauf gewidmet ist, stellt man rasch fest, dass dies für einen waschechten italienischen Motorradingenieur nicht der Weg zum Glück sein kann.

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Nicht, dass die V9 dem stressfreien dahingleiten durch weite Radien oder gar geradeaus abgeneigt wäre. Doch sie wehrt sich auch ganz und gar nicht gegen ambitioniert angegengene enge Radien, lässt sich milimetergenau auf der Ideallinie halten, durchaus sportlich im engen Geläuf bewegen, erinnert dabei schon fast an eine flinke Enduro. Und wenn´s denn sein muss, macht man fehlende Endgeschwindigkeit halt auf der Bremse gut, die einzelne Scheibe am Vorderrad lässt sich blendend dosieren, gibt klares Feedback, nichts anderes hat man von Brembo erwartet. Und weil´s eben nur eine ist spart sie Gewicht am Vorderrrad, ein weiterer Pluspunkt, wenn´s um Handlichkeit geht.

Womit wir auch schon bei der nächsten Aufgabenstellung wären, die ein komplettes Motorrad zu lösen fähig sein sollte, so man mit einem einzigen das Auslangen finden will. Handlich und wendig soll das Bike schliesslich sein, wenn man auch den Alltag a la Easy Rider bewältigen möchte, und der findet für die meisten unter uns nun mal in der Stadt statt.

Moto Guzzi V9 Roamer by Homolka for mipiace (2)

Und genau dort, im dichten Verkehr am Ring, möcht ich einen Captain America mal nach erledigtem Job mit seinem Chopper sehen. Zugegeben, das war schon ein bisschen gemein, aber auch die vielen Biker im Anzug, die ihre wohlverdienten Feierabendkilometer ab Büro geniessen wollen, wären mit einer V9 bestens bedient.

Denn durch den Stau lässt sich die Guzzi bewegen, als wäre sie, sorry, ein Scooter! Die angenehme Sitzposition ermöglicht es in Kombination mit dem federleichten Handling und der bulligen Motorcharakteristik die Moto Guzzi V9 Roamer tatsächlich spielerisch im dichten Verkehr zu bewegen.

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Damit sollte sie also auch von jenen in die engere Wahl gezogen werden, die sich ihre Freiheit gerne auch im alltäglichen Berufsverkehr nehmen, aber nicht unbedingt auf einen Roller steigen wollen. Und ganz egal, wie´s hinter der Stadtgrenze weitergeht, mit der Roamer hat man erst wieder das passende Fahrzeug zwischen den Beinen.

All jene, die sich nicht in Peter Fonda wiedererkennen sondern eher mit Dennis Hopper identifizieren brauchen sich auch nicht mehr lange in Geduld üben, denen wird Guzzi bald mit dem Bobber das passende Fahrzeug zur Flucht im und aus dem Alltag liefern!

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