Piemont. Frau Ursula isst. Alles außer Trüffel.

Piemont Ursula Riegler

Der Plan war, drei Tage lang ausschließlich Trüffel zu essen. Diesen Plan zu Fall gebracht hat, dass ich – die vielen Tipps von Freunden für Lokale und Unterkünfte im Piemont durchgehend – beschlossen habe, keinen Plan für drei Tage Erholung haben zu wollen. Gesagt, getan.

Einziger Kompromiss – das Quartier für die Nacht von Freitag auf Samstag. Aber der Reihe nach. Mit dem Frühflug von Wien nach Mailand, Mietauto abholen, raus aus Malpensa und ab in Richtung Piemont. Bei Novara beginnt das Erholungs- und Urlaubsgefühl: Mit dem ersten Espresso auf der Autobahnraststätte, der jeden Kaffee im noch so schicken Hipster Cafe, liebevoll vom Barista zubereitet, in den Schatten stellt. Weiter nach Süden, über Asti Richtung Alba zur einzigen Vorab-Reservierung für ein spätes Mittagessen. Am Weg dahin empfiehlt es sich, die Autobahn zu verlassen und links oder rechts der Autobahn die prachtvolle Hügellandschaft des Piemont zu genießen.

Piemont Ursula Riegler

In meinem Fall rechts hinauf über Magliano Alferi nach Guarene. Ein fantastischer Rundumblick im Herbstlicht auf die Hügel des Piemont und in Richtung Süden nach Alba. Der Hunger wächst. Ich bin angekommen. Mein erster Eindruck des Piemont: Ähnlichkeiten mit der Toskana, aber deutlich weniger aufgeregt. Und das bestätigt sich im weiteren Verlauf der Reise.

Um 14 Uhr habe ich auf Empfehlung eines Freundes einen Tisch in der Osteria del Vicolett in Alba reserviert.  Wer Trüffel mag, sollte in die Enoteca Bianco Rosso Rose schauen. Sie wirkt recht touristisch und ist auch voll mit Touristen, dies tut aber der Qualität der Produkte keinen Abbruch. Neben Risotto, Nudeln und ganz viel anderem Zeug mit Trüffel lässt einen der Eigentümer fantastisches Öl vom weißen und vom schwarzen Trüffel verkosten. Im Handgepäck ging es leider nicht, aber hier zuzuschlagen, zahlt sich aus. In der Macelleria am Dom entscheide ich mich für Tarallucci Finocchio, die kleinen Kringel, die man hier überall zum Wein dazubekommt.

Der sehr rührige und nette Kellner im Vicoletto bringt mich zu einem Tisch im Garten, und jetzt kommt – für mich selbst – die erste große Überraschung der Reise. Eine kleine Karte mit sehr guter Auswahl an typischen Gerichten. In den Basisvarianten. Und in der Variante mit Trüffel. Und zwar alles. Egal, welches Gericht. Das war mir dann irgendwie zu viel – und ich liebe Trüffel wirklich sehr.

Biella Aufzug Piemont

Also wird es das Degustationsmenü, und das war tatsächlich ausgezeichnet. Beef Tartare, gefüllte Melanzani, eine köstliche Pasta und ein overdone Beef, das im Mund zerfällt, lassen mich den Trüffel nicht vermissen. Ich schließe mein spätes und langes Mittagessen mit einer herrlichen Schokosache und einem Espresso. Zurück zum Auto nehme ich einen anderen Weg, um noch mehr von Alba zu sehen. Ich empfehle, das auch so zu tun. Es gibt am Rand der Altstadt einen sehr großen Parkplatz, die Stadt zu ergehen zahlt sich aus.

Von Alba fahre ich östlich der Autobahn durch die Hügel Richtung Norden, um mein Quartier für die erste Nacht zu suchen. Über Tre Stelle, Barbaresco und Neive bemühe ich mich, den langsamsten und damit schönsten Weg zu finden. Unzählige Fotostopps später fahre ich nördlich von Asti auf den Parkplatz der Casale Osvalda außerhalb von Alfiano Natta. Ein wahrlich einzigartiger Rückzugsort hoch am Hügel mit einem fantastischen Blick Richtung Süden. Die Zimmer mit viel Geschmack und Sinn für Details renoviert. Der Hausherr serviert mir ein Achtel Weiß und ich schaue der Sonne beim Untergehen zu. Am nächsten Morgen gibt es den ersten Kaffee und einen feinen Ratscher mit einem amerikanischen Ehepaar auf der Terrasse, danach ein herrliches Frühstück am gemeinsamen Tisch. Ich habe mich entschieden, Richtung Norden querfeldein zu fahren und möglichst alle größeren Straßen auszulassen. Mit kurzem Zwischenstopp an einem der Heiligen Berge von Piemont und Lombardei und vielen schönen Eindrücken auf einer wahren Berg- und Talfahrt.

Piemont Ursula Riegler

Ievra am Weg in das Aostatal ist nicht ganz so sehenswert, wie ich es erwartet hatte. In der „Gastronomia“ in der Altstadt kaufe ich ein wunderbares Stück Parmesan und verlasse Ievra Richtung Biella. Hier geht es mit dem Schrägaufzug in die Altstadt, die Stadt liegt wunderschön an den Südhängen der Alpen. Entlang dieser geht es weiter Richtung Osten und Lombardei. Nach rund 20 Jahren zieht es mich zurück an den Comer See. Hotel, Abendessen und Bar in Menaggio sind leider ein Reinfall, daher gibt es hier wenig zu berichten.

Piemont Ursula Riegler

Die Abend- und Morgensonne am See und eine zweistündige Bootsfahrt am Sonntag entschädigen allerdings dafür. Ich beende meinen Ausflug mit einem Rundgang und einem späten Mittagessen in Como. Die Altstadt ist definitiv einen Besuch wert, das Essen bleibt auch hier mangels Überzeugungskraft unkommentiert. An der berühmten Bäckerei Beretta 1950 komme ich natürlich nicht ohne einem Besuch vorbei und verlasse diesen herrlichen Ort mit einer Spezialität, Pan dei Morti, das für das Gedenken an Allerseelen zubereitet wird. Von Como geht es Richtung Malpensa und zurück nach Wien. Piemont. Ganz ohne Trüffel. Und ganz ohne Plan.

 

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