An Italian Love Affair – Alfa Romeo Giulia Super

Alfa Romeo Giulia Super by eaglepowder.com Christoph Cecerle for mipiace.at

Verliebt

Meine italienische Liebesgeschichte mit Giulia begann irgendwann Mitte der tiefsten 1970er Jahre. Mein Vater brachte nach einer endlosen Abfolge deutscher Fabrikate endlich ein wirkliches Auto nach Hause.

Eine rote Alfa Romeo Giulia Nuova Super mit dem berühmten 1300er Doppelnocken-Motor in Alu! Ein Fahrzeug, das zu diesem Zeitpunkt wohl jedes bayrische Automobil in den Schatten stellte, rundum mit Scheibenbremsen und dem unnachahmlichen Röhren, das nur Italiener zusammenbringen.

Doch, wie auch die berühmteste Liebesgeschichte aller Zeiten, endete diese Liaison tragisch, denn unsere Giulia verstarb ebenfalls an gebrochenem Herzen, zwei durchgebrannte Kolben auf dem Weg nach Bella Italia machten ihr den Garaus (was in diesem Fall allerdings Fremdverschulden des behandelten Mechanikers war: Zündkerzen!). Das endgültige Aus kam dann 1978.

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Trauerzeit

Alfisti durften sich noch bis 1984 an der wunderbaren Alfetta erfreuen und dann wurde es dunkel. Zappenduster.

Die famose Geschichte der Alfa Romeo Limousinen war beendet und den Designern war in den nächsten Jahren zur Trauerarbeit nur noch das Lineal erlaubt, der Zirkel weggesperrt! Obwohl technisch oft anspruchsvoll (Transaxle!), konnten die Giulietta (Typ 116), der Alfa Romeo 75, 90 oder auch der Alfa 155 formal nie mehr an die Giulia anschließen.

Auferstehung

Nach knapp 20 Jahren endet aber auch in Italien die Trauerzeit, und wie Phönix aus der Asche erhob sich der Alfa Romeo 156, eine neue Liebe war geboren. Ein stilistischer Meilenstein, eine Sternstunde des jungen Walter Maria de´Silva, der dann in Deutschland große Karriere machte.

Parallel zur stilistischen Neuerfindung Alfas machten aber auch die Ingenieure ihre Hausaufgaben und brachten eben mit dem Alfa Romeo 156 JTD den ersten Common-Rail Diesel auf den Markt, so wie der Entwurf ein Meilenstein und heute Standard in fast jedem Dieselfahrzeug. Bemerkenswert übrigens, dass 10 Jahre früher auch der erste Direkteinspritzer-Diesel aus dem FIAT Konzern kam, nämlich der Fiat Chroma TD i.d..

Giugiaro durfte dann den größeren Nachfolger des Alfa Romeo 156 zeichnen, nämlich das Modell 159, formal zwar gelungen, technisch aber auf Grund vieler Anforderungen an die Plattform zu schwer und komplex, eine Folge der Ehe mit General Motors. 2011 wurde der 159er eingestellt und ein neues Interregnum begann.

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Alfa Romeo Giulia

Im Boxsport heißt es: „They never come back“, aber für Alfa Romeo in seiner mittlerweile 106jährigen Geschichte gelten andere Maßstäbe. 2016 kommt die neue Giulia auf den Markt, und Alfa Romeo hat alles richtig gemacht. Seit dem Produktionsende des Alfa Romeo 75 im Jahr 1992 ist der Alfa Romeo Giulia wieder die erste Limousine mit Standardantrieb, als Heckantrieb.

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Die Karosserie

Der Heckantrieb macht sich nicht nur technisch bemerkbar, sondern auch stilistisch. Bedingt durch den längseingebauten Motor verfügt die Giulia über eine lange kraftvolle Motorhaube, die in ein elegantes kompaktes Greenhouse mündet, die Fahrgastzelle, abgeschlossen durch ein kraftvolles klares Heck.

Dieser Alfa Romeo braucht keine bizarren Sicken oder Andeutungen, klar und kraftvoll strömt die Karosserie von der Front zum Heck, und jeder erkennt die Potenz dieses Fahrzeuges, auch ohne die Bezeichnung am Heck gelesen zu haben. Konsequenterweise steht dort auch nur „Giulia“ drauf, finito!

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Die Alfa Romeo Front mit Scudetto (Schildchen) und dem Wappen Mailands ist Legende, die Baffi (Schnauzbärtchen) jeweils seitlich des Scudetto runden den klassischen Entwurf des italienischen Designers Lorenzo Ramaciotti ab. Er selber sagt über sein Werk:

„Das Design der Giulia ist sanft wie der Umriss einer Wolke, der aber nicht preis gibt, welche Kraft im Inneren verborgen ist.“

Im Inneren ist aber nicht nur Kraft verborgen, sondern auch Platz für vier Reisende, die ihre Kalbslederkoffer im 480Liter fassenden Gepäckabteil unterbringen können, optional erweiterbar durch eine klappbare Rücksitzbank. Wie es sich gehört, sind die besten Plätze dem Piloten und seinem First Officer reserviert, denn ein Alfa Romeo ist ein Fahrerauto, eine Driving-Maschine, natürlich gerne auch für die sportliche Dame!

Fahrer und Beifahrer sitzen großzügig, doch stets in Kontakt zu Giulia, tief in den Wagen integriert, so wie es eine Sportlimousine verlangt. So ist der Alfa Romeo Giulia auch ein Gegenentwurf zur grassierenden Mode der SUVs, windschlüpfig und intim, sportlich und doch luftig geschnitten für die große Reise.

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Im Model Super verströmen Teilledersitze herrschaftlichen Duft, ich würde mir als Extra Vollleder gönnen, vielleicht in einem hellen Braunton, passend zum zweifarbigen Interieur. Der Fahrer sitzt perfekt, vielleicht auch, weil ich in meinen Maßen dem Italiener mehr ähnle als dem Normannen, doch reicht der Verstellbereich auch für ebendiesen.

Das Lederlenkrad (mit Start-Stop Knopf alla Ferrari!) ist in jeder Form verstellbar und die Beinfreiheit vorbildlich, was in früheren Tagen bei Italienern nicht selbstverständlich war. Der rechte Arm fällt auf die belederte Mittelarmlehne und die Hand umschließt natürlich den runden Schaltknauf des 6-Gang-Getriebes oder optional den Wählhebel einer 8-Gang Wandlerautomatik.

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Vor dem Schalthebel sind 3 Controller untergebracht. Der linke erlaubt die Wahl der Charakteristik des Fahrzeuges, der Alfa Romeo DNA Knopf. Oberste Position ist die Stellung Dynamic in der Farbe rot und schärft die Sinne Giulias. Das heißt feurige Gasannahme und Lenkung. In das Fahrwerk wird nicht eingegriffen, sofern nicht die optionale dynamische Fahrwerkskontrolle geordert wurde. Natural ist die mittlere Einstellungsvariante, grün Advanced Efficiency, also der Ecomodus. Aus meiner Sicht könnte man allerdings Dynamic für immer verbauen und auf die beiden Soft-Varianten verzichten. Hey, it´s an Alfa Romeo!

Der mittlere Controller steuert den 7″ Infoscreen, non-touch, mit Navi, Audio, Medien und allen Einstellungsmöglichkeiten am Fahrzeug. Die Anbindung meines Oneplus One Mobiles gelang vollkommen intuitiv und schnell. Grazie. Separat kann die Audio-Einheit noch über den rechten Controller angesteuert werden.

Lane-Assistance ist ebenso an Board wie ein Kollisionswarnsystem, das bis 50km/h aktiv ist. Nachdem eine Alfa Romeo vornehmlich zum Vorwärtsfahren bebaut ist, helfen Piepser beim Parken, empfehlenswert ist aber die optional erhältliche Rückfahrkamera.

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Das Fahrwerk

Sicher ein Gustostückerl an der neuen Giulia ist das Voll-Alu-Fahrwerk, das mit dem Leichtgewicht (1450 kg) auch leichtes Spiel hat. Ich empfand das Fahrwerk als sehr komfortabel und nicht unangenehm hart. In Kombination mit der direkten und straffen Lenkung ergibt sich dann das Fahrgefühl eines Kompaktwagens, obwohl man sich in einer ausgewachsenen Limousine befindet, insbesondere im Dynamic Modus.

Hinzu kommen natürlich die Vorzüge des Standard Antriebes, also großer Lenkeinschlag und keinerlei Beeinflussung der Lenkung durch Antriebseinflüsse. 180 PS können das Fahrwerk also nie wirklich fordern, unterstützt durch ein rigides ESP, das leider nicht abschaltbar ist. Hier wünsche ich mir eine graduelle Abschaltbarkeit wie bei Motorrädern, die Giulias Hintern ein wenig mehr Bewegungsfreiheit geben. Aber ok, ich verstehe, 2016 ist nicht mehr 1976 und wackelnde Hintern sind politisch inkorrekt!

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Auf der Autobahn ist der Alfa Romeo Giulia ein unaufgeregter Gleiter, immer mit genug Power, um auch in der 6ten mächtig Vortrieb zu erzeugen. Sicher ein Tribut an die Konkurrenz mit Propeller, Stern oder Ringen, die unsere Giulia sicher nicht fürchten muss. Ganz im Gegenteil: Dieses Prachtstück dringt tief in deutsches Hoheitsgebiet vor, weiter, als es den Bayern lieb sein kann.

In ihrem Element ist Giulia aber auf der Landstraße. Bullig der Diesel, direkt die Lenkung, standfest die Bremsen. Nie kommt Unruhe auf, das Scudetto schnüffelt mit den Baffi nach der nächsten Kurve. Da braucht sie wenige fürchten, unsere Schönheit aus Italien.

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Der Motor

Ich fuhr die neue Giulia mir dem 2.2 Liter Turbodiesel mit 180 PS und 380Nm Drehmoment, gekoppelt an eine 6 Gang-Handschaltung. Der Motor, der auch mit 136PS und 150PS angeboten wird, ist ein Bulle von einem Diesel und verheimlicht seine Konstruktion nicht, ohne aber jemals störend zu wirken. Ein Turboloch ist kaum ausgeprägt, gleichmäßig dreht der Motor über das Band, gerne auch Richtung roter Markierung am Drehzahlmesser.

Das Getriebe lässt sich leicht und schnell schalten, die Kupplung verhält sich vollkommen unauffällig. Klick-klack macht es auf der Landstraße, auf der Autobahn reicht der 6. Gang von Wien bis Neapel.

Genaue Verbrauchsmessungen habe ich auf meinen 500km unterlassen, zu sehr stand der Fahrspaß für mich im Mittelpunkt.

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Mein Fazit

Well done, Alfa Romeo. Zuerst unter deutschem Management von Harald J.Wester und jetzt Reid Bigland entwickelt sich die Alfa Romeo Giulia zu einer sehr ernstzunehmenden Konkurrenz für die vornehmlich deutschen Anbieter in der Klasse der sportlichen Limousinen.

Der komplette Neuanfang mit Heckantrieb und neuer Plattform machen die Giulia zu einer agilen und schnellen Limousine, die nicht nur Alfisti und Freaks anspricht, sondern selbstbewusst auf jedem Firmenparkplatz ihre Berechtigung hat.

Selbstbewusst ist auch das Preisniveau, dem allerdings ein sehr solides Stück Ingenieurskunst „Made in Italy“ gegenübersteht. Abgesehen davon aber bietet ein Alfa Romeo das, was bei anderen auch nicht für viel Geld und gute Worte zu kaufen ist, nämlich Herz, das berühmte Cuore sportivo.

Und auf genau das hat sich Alfa Romeo wieder besonnen, es wiederentdeckt und zu neuer Blüte geführt.

Hoch lebe Alfa Romeo.

Hoch lebe Giulia!

Technische Daten

Preise

Konfigurator

Möglich gemacht durch FCA Österreich und Sixt Österreich

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