Viva Vienna – Racing Spirit!

Eigentlich ist die Viva-Vienna kein Rennen, keine Rallye, mehr eine Wertungsfahrt mit Roadbook, in diesem Fall speziell ausgeschrieben für Fahrzeuge aus dem Fiat Konzern. Veranstaltet wird diese Wertungsfahrt jährlich vom Verein der Freunde des Automobils, organisiert vom umtriebigen Herrn Urbanek, ein Benzinbruder ersten Ranges!

Prolog

Die Idee zur Teilnahme schwebt schon länger im Raum, irgendwann wieder vergessen, aber am Freitag vor dem Rennen klingelt das Telefon. Gianpaolo meldet sich mit einem „Ciao“ und bietet wir einen Abarth 595 Turismo als Wettbewerbsfahrzeug an. Da merkt man den Racing Spirit im Hause Abarth, als ob der seelige Karl „Carlo“ Abarth noch leibhaftig im Büro säße. Und nachdem kurzfristige Zusagen vielleicht die besten sind, sage ich natürlich zu, ohne jemals eine Wertungsfahrt bestritten zu haben.

Die Formalitäten mit besagten Herrn Urbanek sind schnell erledigt, der Wagen genannt, nur fehlt mir ein passender Copilot. Ein diffiziles Unterfangen, denn der Mann (oder die Frau) am heißen Sitz muss einen Anforderungskatalog erfüllen, den nicht einmal die NASA zu erstellen wagt.

Vollgasfestigkeit ist Grundvoraussetzung, Intellekt zum Handling des Roadbooks selbstverständlich, Standfestigkeit über 24 Stunden ein Muss. Und ein gewisser Charme und Witz gehören ebenso zum Rüstzeug eines Abarth Copiloten.

Meine Wahl fällt auf Fred „Vollgas“ Stampach, geeicht am Gasgriff seiner Monster, geschliffen im Ausdruck (meist zumindest) und ein Könner in Schrift und Bild.

Der Start

Ein Traumtag kündigt sich an, die Wahl eines Cabrios verstärkt die Vorfreude, und wir reiten frohen Mutes in Brunn am Gebirge ein, um am Parkplatz von MVC Motors unseren Boliden knisternd auskühlen zu lassen. Herr Urbanek ist um uns bemüht, Kaffee und Kuchen stehen bereit, das sehnsüchtig erwartete Roadbook in unseren Händen. Nur macht sich Ernüchterung breit, eine komplexe Ansammlung von Anweisungen und Zeittafeln erinnert an den ersten Start einer Apollo Rakete.

Ein Moment, in dem ich Fred zum Einsatz bringe, seinen unwiederstehlichen Charme, der erfahreren Piloten alle Geheimnisse der Zahlen und Zeichnungen entlockt. Wir sind also gerüstet, zumindest denken wir das.

Unser Bolide wird noch mit der schmückenden Startnummer 34 von 35 versehen, wobei Nummer 35 nicht startet und unser Team zur roten Laterne macht. Der Start erfolgt im Minutentakt durch Lichtschranken, drei, zwei, eins und wir eröffnen unser Rennen.

Das Rennen

Wir starten in der Klasse 4, offen für Fahrzeuge aus den Fiat-Konzern ab dem Baujahr 1981 bis heute. Zu unserer Konkurrenz gehören Klassiker wie ein Alfa Romeo GTV aus dem Jahr 1982, ein Ferrari GTS Turbo 1988, ein Ferrari 612 aus dem Jahre 2003 und natürlich der knallgelbe Alfa Romeo 4c, gesteuert von Thomas Boldt. Ein Wagen mit Werksunterstützung, wie sich bald herausstellt.

Jedenfalls folgen wir den ersten Anweisungen, froh auf der 17er Bundesstraße gelandet zu sein, als der knallgelbe Alfa Romeo unvermittelt auf einen Supermarktparkplatz abbiegt, um sich ebenso unvermittelt hinter uns wieder einzureihen. Wir haben den ersten Platz gutgemacht und Ehrgeiz macht sich breit. Ein Klassensieg muss einfach drinnen sein. Seite eins, zwei und drei des Roadbooks laufen dann auch bestens bis zur Abzweigung beim „Modul-Haus“, welches nicht und nicht zu finden ist.

Hier trennen sich dann unsere Wege vom Pulk, der knallgelbe 4C entschwindet und wir winken Thomas noch nach. Allein in der Pampa, die Kilometerangaben stimmen nicht mehr. Tripmaster haben wir keinen an Board.

Ab nun heißt es Gas geben, um die erste Sonderprüfung zu erwischen und im Zeitplan zu bleiben. Fred lernt die Tugenden eines gut eingefahrenen Abarth kennen, das Dach ist offen, der Auspuff röhrt. Landstraßen jeder Kategorie werden mit Schwung genommen, die G-Kräfte zeigt uns das Display im Sport-Mode. Fred ist bleich, aber tapfer!

Noch vor dem Leithagebirge finden wir die erste Gleichmäßigkeitsprüfung, zwar von der falschen Seite angefahren, gewendet, dann korrekt. Das bringt Punkte, das bringt uns dem Klassensieg näher.

Etappe 2 lässt uns über das Leithagebirge fliegen, hurtig die famose Bergstraße, hinunter in die Ebene des Neusiedlersees, Mörbisch entgegen, wo wir die „Special-Stage“ auf der Seebühne bravourös meistern und den Werksalfa generös vorbei lassen, weil die Herren Boldt sich irgendwo verfahren hatten. So sind wir Sportler halt.

Auf Mörbisch folgt Rust, ein Lunch auf der Terrasse des Seerestaurants Katameran, Zeit zum Fachsimpeln über die letzte Ennstal-Klassik und den Speichenriss in Kitz, man ist unter sich, und wir mitten drin. Der Lunch fällt auf Grund des enormen Andrangs auf die Küche des Restaurants dann ins Wasser, die nächste Etappe steht an, Teil 2 der Viva Vienna.

Wieder geht es über das Leithagebirge, gut, dass Fred kein Schnitzerl bekommen hat. Mittlerweile geübt in der Handhabung des Roadbooks absolvieren wir die letzten beiden Sonderprüfungen vor dem Ziel in Wien Oberlaa und cruisen dann durch die Stadt zur Siegerehrung nach Schönbrünn in die Motorvillage.

Epilog

Ein Tag hat uns zu Racern gemacht. Wir sind aufgenommen in die Kaste der Rennfahrer. Wir stehen in einer Reihe mit Namen wie Rudolf Caracciola, Sterling Moss, Jacky Ickx oder Jochen Rindt. Zwar am Ende, aber immerhin. Auch die Großen haben klein angefangen.

In der Motorvillage werden wir auch gebührend empfangen, Speis und Trank stehen bereit, die hungrigen Piloten zu versorgen, Pokale glitzern unter den Scheinwerfern. Herr Urbanek und der elegante Managing Director FCA Österreich Luigi Pennella überreichen die Ehrungen.

Für uns bleibt nur die Blecherne. Platz 4 in unserer Gruppe, ein ehrenwerter 15ter Platz in der Gesamtwertung. Und der Werks-Alfa-Romeo 4c unter der kundigen Hand von Thomas Boldt liegt hinter uns.

So starten Karrieren…..

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