Valdonica – Von Bildern im Kopf und autochtonen Maßanzügen

Valdonica by Martin Martschnig italissimo.at

Zu Besuch bei einem Österreicher in der Toskana

Drei Jahre lang suchte er ein kleines Anwesen am Meer, das für ein wenig Wintersonne mit erträglichen Temperaturen sorgen sollte, Nebel und Schnee aus dem Leben in unseren Breitengraden scheuchend. Medizinisch betrachtet allemal förderlich, seelisch für ihn eine Notwendigkeit. Als Arzt und Krankenanstaltenmanager wußte er, wovon er träumt.

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„Er“, das ist  Martin Kerres, ein Österreicher, der vor über 10 Jahren in der Maremma seine zweite Heimat fand. Nicht direkt am Meer aber mit Meerblick, ein wenig landeinwärts an den Hügeln bei Sassofortino wurde er fündig. Bei unserem Besuch führt er uns zum alles klarmachen Intro an jenen (Aussichts)Punkt des Grundstücks, an dem er sich in dieses Stück Land verliebte, in ihm erste Bilder eines Ganzen entstanden.

Für uns eine Blickmischung aus Afrika und Kalifornien, die sich in der Maremma optimiert wiederfindet. 80 ha unbestelltes Land, von Seehöhe mehr oder weniger Null bis hinauf auf knapp unter 500 m bzw. quasi bis zur Ortstafel – heute Heimat von Weingut, Olivenhain, Wald, einem B&B mit einer handvoll Zimmern und zwei Ferienhäusern.

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Dr. Kerres sucht den Flow
Ihn als Aussteiger zu betrachten bringt die Sache nicht auf den Punkt. Ihn als Spinner (im besten, nur selten zu findenden Sinne) zu bezeichnen schon eher. Warum sollte man sich sonst ohne Ahnung vom Weinbau an so ein Vorhaben heranwagen. Ein Wagnis, das anfangs auch ziemlich in die Hose ging, den falschen Beratern zu guten Glauben schenkend.

Doch nach und nach verbündet er sich mit Land und Leuten, wird bei der Suche nach „Helfern“ in der näheren Umgebung fündig und schlägt so auch persönlich Wurzeln. Er macht sich dabei das Land niemals Untertan, sieht sich vielmehr als „Ins-Boot-Holer“ und versucht sich als Machbarkeitsnavigator. Womit sich einer seiner Leitsprüche „Going with the flow …“ erklärt – Leidenschaft, Seele und Natur einen Hauch von Ewigkeit abtrotzend.

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Überhaupt geht er davon aus, dass das Land ihn gefunden hat, ihm Valdonica passiert ist. Daher auch der logische Anpflanzschluss, dass hier nur autochtone Trauben Raum gegeben wird. Musste er bei den ersten Jahrgängen ab 2008 noch Trauben zukaufen, präsentiert sich der 2012er Jahrgang erstmals ganz im eigenen Gewande. Kennzeichnend für die Weine ist auch der minimalst mögliche menschliche Eingriff. Kombiniert mit einem Mikroklima Note „Mare e Monti“ und dem geschickten Händchen seines Weinmachers inklusive spontaner Vergärung mit natürlichen Hefen vom Gut ergibt dies Tropferln ins Kostglas, die schon in so jungen Jahren internationale Beachtung finden, sich in herzeigbaren Bewertungen von Wine Spectator über Gambero Rosso und Veronelli bis hin zu Wein-Plus widerspiegeln.

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Was der Flow mit sich bringt
Martin Kerres möchte noch einen Schritt weitergehen. Es ist ihm Anliegen und Projekt zugleich, den kleinen Genusshandwerkern der umliegenden Dörfer feilbietendes Feinkostregal zu sein. Sei es bei Verkostungen oder dem wöchentlichen Dinner für die Gäste des B&B, den Geschmack der Gegend zu vermitteln und so ein wenig über den touristisch-toskanischen Kostglas- und Tellerrand blicken oder vielmehr schmecken zu lassen – darin sieht er seine Aufgabe, sein Dankeschön an das Aufgenommenwerden im Ort.

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Sie haben richtig gelesen. Der gute Mann setzt sich einmal pro Woche mit den Gästen in seinem kleinen Weinkeller zu Tisch, erzählt beseelt – von ländlicher Küche maremmanischen Zuschnitts begleitet – über seine Weine und den Werdegang von Valdonica. So sind es auch die Geschichten in kleiner Runde, die man von einem Besuch auf dem Weingut mit nach Hause nimmt. Plus in meinem Fall ein paar Flaschen vom Mersino (IGT Toscana Vermentino) für den Antipastibereich des heimischen Lebens, sowie vom Saragio, dessen 100 % Sangiovese mein nächste Stück Rind am Grill begleiten wird.

Zudem ein Gedanke an den Wunsch zur Rückkehr an diesen wunderbaren Ort. Das nächste Mal mit mehr Zeit und wohl auch der Buchung eines Zimmers, um den Blick vom Hügel über die Ebene der Maremma bis hin zur Isola Giglio täglich mehrmals genießen zu können, im Pool mit Aussicht plantschend …

Nächste Unterkunft im italissimo.at-Genussreiseprogramm:
Gualdo del Re – Ferienwohung (mit oder ohne Genussprogramm)

Kaufbar bei:
Seit kurzem gelistet bei WEIN & CO
Link zu seinen derzeit gelisteten Weinen

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