Triest – Wiener Küste, istrische Küche

Triest by Homolka für mipiace.at

Im kollektiven Gedächtnis der Wiener gilt Triest bekanntermassen als „unser“ Vorort am Meer, umgekehrt schwärmen alte Triestiner ebenso gerne von der guten alten Zeit, als alles besser und der Kaiser noch am Leben war.

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Chimäre, natürlich, doch jenseits nostalgischer Verklärung war Triest stets innigst mit dem Geschick Wiens und der Habsburger Monarchie verbunden. Und entgegen landläufiger Meinung durchaus aus eigenem Antrieb, so ging der Impuls, die Hafenstadt dem Reich anzuschliessen nicht von Wien aus, es waren vielmehr die Bürger Triests, die sich am 30. September 1382 unter den Schutz Leopold III. stellten um den kriegerischen Venezianern ein Schnippchen zu schlagen.

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Mit der Ernennung zum Freihafen durch Karl VI. im Jahre 1719 begann dann die Erfolgsgeschichte Triests, auch die folgenden Habsburgerherrscher hinterliessen mit dem Borgo Teresiano und dem Borgo Giuseppino architektonisch nachhaltige Spuren, als einziger Seehafen Österreichs übernahm Triest schließlich auch Venedigs führende Rolle im Nahosthandel und mauserte sich zum grössten Warenumschlagsplatz im Mittelmeer.

Wenig überraschend unternahm Josef Ressel also auch die ersten Testfahrten mit dem von ihm erfundenen Schiffschraubenantrieb in Triest, die Werften kamen mit der Produktion neuer Schiffe kaum nach, um die wertvolle Fracht zu versichern wurde die Assecurazione Generali gegründet, die sich, nach britischem Vorbild, einen eigenen Lloyd Austriaco als Aktiengesellschaft zwecks Informationsbeschaffung und Risikoabwägung hielt.

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Mit der Übernahme von Postverbindungen im staatlichen Auftrag und der Einführung des Geschäftsbereiches „Verfrachtung“ 1836 wandelte sich die Agentur zur, dank hoher Subventionen, halbstaatlichen Reederei, als Gesellschafter der Suezkanal-Gesellschaft profitierte sie besonders von der neuen, kürzeren Verbindung nach Asien und war Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eines der grössten Schifffahrtsunternehmen weltweit.

Zum 75. Jubiläum 1911 wurde nicht nur mit dem Eildampfer „Wien“ das bislang grösste Passagierschif in Dienst gestellt, das auf der einträglichen Triest-Alexandrien Route zum Einsatz kam und angeblich dermassen pünktlich war, dass der Muezzin die Gebetszeiten nach dessen Ankunft richten konnte, das historische Ereignis war auch Anlass zur feierlichen Eröffnung eines eigenen Grand Hotels, des Savoia Excelsior Palace an der Promenade.

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Es war das letzte und zugleich prachtvollste der K&K Grandhotels an der Riviera, wurde in der Presse umgehend zum luxuriösesten und prachtvollsten Hotel der Monarchie erklärt, auch die kaiserliche Familie war äußerst angetan. Nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem Wegfall des Hinterlandes und durch die isolierte Lage im Schatten des Eisernen Vorhang verlor es zusehends an Gästen und Glamour, eine Renovierung in den 70er Jahren machte dies auch nicht besser.

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Erst mit der Übernahme des Hauses durch die Florentiner Starhotels Gruppe kam der alte Glanz wieder, mit viel Liebe zum Detail und Verständnis für die historische Bedeutung wurde 2006 eine denkmalschützerisch orientierte Generalsanierung angegangen. Kurz nach der Wiedereröffnung 2009 diente es dann auch gleich als würdiger Austragungsort des Treffens der Aussenminister anlässlich des G8 Gipfels, Hillary Clinton soll es sehr genossen haben.

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Wir übrigens auch, der Blick aus der Suite im ersten Stock hinaus auf den Golf ist nicht nur bei Sonnenuntergang beeindruckend, die in der Dämmerung aufs Meer hinausgleitenden Schiffe lassen einen erahnen, wie sich die Haute Voleé zur vorletzten Jahrhundertwende gefühlt haben mag, bevor sie von hier auf zu einer Kreuzfahrt aufgebrochen sind. Oder zur abendlichen Passegiata über die Piazza zwischen Lloyd und Rathaus um beim Aperitivo den neuesten Klatsch auszutauschen, bevor sie sich den kulinarischen Highlights der Stadt zuwandten.

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Was wir nun auch tun wollen, es gilt ein neues Restaurant auszukundschaften, in seinem „EGO“ interpretiert Roberto Ubaldini die klassische Triestiner Küche neu und hat sich so zu einer der ersten Adressen hinaufgearbeitet. In den Räumen eines ehemaligen Kontors hat er sich eine moderne, für die Gäste jederzeit einsehbare Werkstatt eingerichtet, in der er aus regionalen Zutaten seine Gerichte zaubert.

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Lokal heisst in Triest natürlich frischen Fisch und Meersesfrüchte, aber genau so nahe grast auch das Vieh oben im Karst, und die Schweine, egal ob der Schinken dann Prosciuto oder Prsut heisst. Auch das Olivenöl aus dem Val Rosana gehört zum Feinsten, was man zu sich nehmen kann, von den zahlreichen autochtonen Weinen der Region ganz zu schweigen.

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Wir haben uns das Menú des Meeres gegönnt, von den geschmacksintenisven rohen Scampi auf einer frischen Erbsenveloute über herrliche, nur hier im Golf zu findende winzig kleine und zarte Sepioline zum im Krebssud geschmurgeltes Spargelrisotto vorgearbeitet, ein überraschendes Misto Mare im Kataifimantel genossen, um uns schliesslich von Robertos sündigen Desertkreationen beglücken zu lassen.

Nicht, dass man bislang in Triest hungern musste, aber das „EGO“ bereichert die Triestiner Restaurantszene ungemein. Dringende Empfehlung!

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