Fiat Tipo Station Wagon 1.6 Multijet – Family Business

Fiat Tipo Station Wagon 1.6 Multijet II Lounge

Die Semesterferien stehen an. Eine Materialschlacht für Kind und Kegel, Bewährungsprobe für Mann und Maschine, die Idealvorraussetzungen, um ein Fahrzeug zu testen. Ein Anruf bei Christian in Meidling, und der zaubert die neue Wunderwaffe für universale Transportprobleme aus dem Hut, den brandneuen Fiat Tipo Station Wagon 1.6 Multijet Lounge 120 PS Start&Stop. Ein Name wie ein Programm. Ein Name, der alles abzudecken versucht, wofür der neue Tipo steht.

Fiat Tipo

Bereits Ende der 80er Jahre, von 1988-1995 gab es ein Mittelklassemodell namens Tipo, das den Fiat Ritmo ablöste. Der Tipo hat also Geschichte im Hause Fiat, ein Fahrzeug konzipiert für das C-Segment, also die Kompaktklasse, welche wohl zum umkämpftesten Segment am Automarkt gehört. Fiat lässt sich aber auf keine Eskapaden ein und positioniert den Tipo ganz explizit im Zentrum des Orkans.

3 Karosserieformen, Limousine, 5-Türer und Kombi decken alle Wünsche ab, bei der Motorisierung bleibt man zwischen 95 und 120PS, sowohl als Diesel als auch Benziner.

Fiat Tipo Station Wagon 1.6 Multijet II Lounge

Fiat Tipo Station Wagon 1.6 Multijet Lounge 120 PS Start&Stop

Kurz und gut: Das Topmodell. Die einzige Bezeichnung, die noch hinzufügbar wäre ist DDCT, welche das nur für den 120 PS Diesel wählbare Doppelkupplungsgetriebe bezeichnet. Der Listenpreis ohne Zubehör beläuft sich hier um mehr als respektable EUR 21.190.-, die durch laufende Aktionen, wie zum Beispiel gratis Winterräder auf Felge, wohl noch unterbietbar sind.

Wir befinden uns also im Bereich der leistbaren Familien-Fahrzeuge, die nicht unbedingt eine Erbschaft oder Bankraub voraussetzen. Hier grenzt sich Fiat doch sehr deutlich vom Mitbewerb ab, schenkt dem erfreuten Kunden auch noch 4 Jahre Garantie, und findet zu seiner Rolle als Familienfreund in alter italienischer Tradition zurück. Bravo!

Unser Tipo war dann zwar noch mit Goodies wie dem Techno Paket (beheizte Ledersitze) und allen (!) weiteren möglichen Paketen ausgestattet, was den Preis aber dennoch nicht über EUR 25.000.- pushen kann, auch wenn man sich gefühlsmäßig in der 35k Liga fühlt. Irgendwie ein gutes Gefühl zu wissen, dass der Nachbar für seinen nackten Deutschen blutet, während man sich noch locker das Abendessen für die Familie leisten kann.

Die Karosserie

Und fesch sind wir auch noch. Überhaupt in Cinema Schwarz mit Privacy-Glas, black in black funkelnd auf den attraktiven 17 Zöllern, macht der Tipo mehr her, als der familientaugliche Preis vermuten lässt. Man ist einfach gut angezogen, so wie es sich für uns Italiener einfach gehört. Akzentuiert wird die Karosserie durch Chrom-Applikation an der Front und an den Fensterkanten. So fremd mir die 4-türige Variante erscheint, so stimmig schmeichelt der Station Wagon meinem Auge.

Fiat Tipo Station Wagon 1.6 Multijet II Lounge

Nachdem wir aber nicht nur in Schönheit sterben wollen, haben wir den Tipo gleich dem ultimativen Langstrecken Test unterzogen: 1000km Semesterferien mit den Kids.

Die Idee war so: Alle Ski auf das Dach, alle Taschen und Skischuhe ins Auto. Auf eine Box musste ich sowieso verzichten, weil ich kein geeignetes Trägersystem zur Hand hatte, also besorgte ich einen Magnetträger. So weit, so gut. Was ich beim Kauf aber nicht beachtete war, dass das Dach des Fiat Tipo Station Wagon in der Mitte eingezogen ist, so dass nicht alle Magnetträger in der Breite aufliegen können und ihr könnt es euch denken, genau so einen hatte ich besorgt. Finito l´amore.

Fiat Tipo Station Wagon 1.6 Multijet II Lounge

Aber ich habe die Rechnung ohne unsere Familienfreunde aus Turin gemacht. Die Rückbank lässt sich 1 Drittel zu 2 Drittel umlegen, was ausreichend Platz für Skier bis zur Länge meiner 182er Racecarver schafft! Gepackt wurden dann: 2 riesige Eishockeytaschen längs, 1 kleiner Samsonite (Töchterchen packt seperat!), eine weitere große Tasche auch längs, 1 Snowboard-Boots-Tasche, 3 Paar Ski, 3 Paar Skischuhe, Skistecken und noch ein Snowboard. Und zwar alles ins Auto (Siehe Beweisfoto!).

Der Motor

1 Fahrer und 3 Passagiere machen sich also auf den Weg von Wien nach Heiligenblut. Autobahn bis Spittal an der Drau, dann eine Stunde Landstraßen ans Ende der Welt. Und der Wagen wahrscheinlich an der Grenze der zulässigen Beladbarkeit.

Schon beim Wegfahren spürt man den Druck der 320Nm (1750U/min) Drehmoment, die der Masse von 1395kg (max. 1895kg) entgegenwirken. In Anbetracht der des Hubraums von 1,6 Liter fantastische Werte, die vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wären.

Fiat Tipo Station Wagon 1.6 Multijet II Lounge

Der Tipo soll in unter 10 Sekunden 100km/h erreichen und die 200km/h knacken. Werte, die ich für mehr als realistisch halte. Jedenfalls murmelt der 1600er von Wien bis Spittal an der Drau zufrieden in der 6ten vor sich hin, bestens gedämmt bei Drehzahlen um die 2.500U/min.

Praktischerweise gehört man in diesem Drehzahlbereich zu den schnellsten im Wiener Becken, notorische Linksfahrer geben den Weg schnell frei, wenn die LEDs der Scheinwerfer im Rückspiegel auftauchen. Kurz im leicht zu schaltenden Getriebe die 5te probiert und schon strömen wir über den Wechsel ins Grazer Becken und weiter über die Pack nach Kärnten.

Der Tipo läuft ruhig und sämig kraftvoll, mehr braucht kein Mensch.  Selbst Überholvorgänge mit knapp 2 Tonnen Gesamtgewicht erledigt das Mulijet Triebwerk durchzugsstark und elastisch, eine Eigenschaft, die vor allem auf den Landstraßen des Mölltales entscheidend ist, will man nicht hinter einem Traktor verhungern.

Dass das hohe Gesamtgewicht und die doch eher forcierte Gangart den angegeben Durchschnittsverbrauch von 3,7 Liter/100km ins Reich des Pinoccio verweisen würde, war klar. Aber auch 6,4 Liter Diesel auf 100km (Boardcomputer/941km/Schnitt 96km/h) sind in Anbetracht der harten Testbedingungen mehr als respektabel.

Das Fahrwerk

Dem Gewicht und dem Speed gewachsen ist auch das Fahrwerk. Sauber und transparent die Linie in den schnellen Kurven am Wechsel, komfortabel und ohne Poltern auf den Landesstraßen Kärntens. Generell habe ich das Fahrwerk als tendentiell straff empfunden, was wohl auch den 17 Zöllern geschuldet ist und offensichtlich auch der Auslegung des Wagens, ein hohes Gesamtgewicht locker wegzustecken.

Fiat Tipo Station Wagon 1.6 Multijet II Lounge

Positiv zu vermerken ist die Lautlosigkeit des Fahrwerkes, besser des ganzen Wagens. Kein Knacken, kein Poltern, kein Knarzen. Hier will jemand das Vertrauen der verwöhnten Kunden wiedergewinnen, was man hört, sieht und spürt!

Die Bremsen arbeiten, wie sie müssen. Unauffällig und effizient. Ich persönlich bevorzuge eine etwas agressivere Auslegung der Bremsanlage, ein bissigeres Ansprechen der Stopper, was aber wohl eine rein subjektive Präferenz ist.

Ausstattung

Unser Fiat Tipo Station Wagon hat alles, was gut und bei Fiat auch erschwinglich ist. Besonders erfreulich ist die einfache und intuitive Bedienbarkeit des Uconnect Multimedia Systems inklusive Navi und Anbindung an das Mobile, was in 1 Minute ohne Betriebsanleitung, die ich prinzipiell nie lesen, geschehen ist. Und hey, Touchscreen, damit kann so mancher Konkurrent aus der Mittelklasse nicht dienen!

Die Sitze sind großzügig und breit, fein bezogen in Leder, genauso, wie das angenehme Lenkrad. Das Piepsen auf der Autobahn rührt übrigens vom Navi, das sogar stationäre Radarstationen kennt. Eines meiner Learnings mit dem Fiat Tipo Station Wagon. Alle weiteren möglichen und unmöglichen Ausstattungsmerkmale des Fahrzeugs bitte ich euch, im Konfigurator zu erforschen.

Fiat Tipo Station Wagon 1.6 Multijet II Lounge

Fazit

Erstaunt stelle ich fest: Mehr braucht der vernünftige Mensch nicht. Man ist bestens angezogen, macht auch vor besseren Hotels einen schlanken Fuß und strömt ohne Verzicht vergnügt durch das Land. Es gibt kaum Argumente in einem temporeglementierten Land, mehr als 120Ps unter die Haube zu packen, vor allem, wenn 320Nm zupacken. Die oppulente Ausstattung kann man gerne bestellen, muss aber nicht. Jedenfalls bleibt unter allen Umständen der Kontostand in grünen Bereich, auch wenn man alle Hakerl im Konfigurator ankreuzt. Das Platzangebot und Ambiente ist über jeden Zweifel erhaben, man lebt zum Familientarif im 5-Stern Hotel.

Der Fiat Tipo Station Wagon 1.6 Multijet Lounge 120 PS Start&Stop hat also nicht umsonst einen so langen Namen. Er deckt wohl fast alle Wünsche gepflegter Fortbewegung ab, ohne zum Luxusartikel zu mutieren.

Well done Fiat!

 

1 Kommentar

  • Christian B. sagt:

    Die 6,4 l / 100 km sind eigentlich nicht wirklich ergreifend, die fahre ich mit einem 14 Jahre alten Volvo (D5) auch, wobei der deutlich mehr Gewicht mitschleppt. Ansonsten: ein schönes Auto, der Tipo.

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